Martinloewenberg

Biographie

Martin Löwenberg wurde am 12. Mai 1925 in Breslau geboren und wuchs in München auf. Bereits in jungen Jahren engagierte er sich politisch: Als Mitglied der sozialistischen Jugendorganisation „Rote Falken" lernte er früh, was es bedeutet, für Überzeugungen einzustehen – und was es kostet.

Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 geriet Löwenberg als sogenannter „Halbjude" – sein Vater war jüdischer Herkunft – in das Visier der Behörden. Er ließ sich davon nicht einschüchtern. Als Jugendlicher beteiligte er sich an illegalem Widerstand und wurde 1943 von der Gestapo verhaftet. Im Mai 1944 führte seine Verhaftung beim Verteilen von Brot an polnische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zu seiner Einweisung in das Konzentrationslager.

Löwenberg war in mehreren Lagern interniert, darunter das Außenlager Longwy-Villerupt des KZ Natzweiler, wo er Zwangsarbeit in unterirdischen Rüstungsfabriken leisten musste. Anschließend wurde er in das Außenlager Leitmeritz des KZ Flossenbürg verschleppt. Am 7. Mai 1945 erlebte er die Befreiung durch die Rote Armee – abgemagert, aber ungebrochen.

Rückkehr und politisches Engagement in der Nachkriegszeit

Trotz allem kehrte Löwenberg nach München zurück. Er half beim Wiederaufbau der Gewerkschaften und der VVN – Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, dem Zusammenschluss antifaschistischer Überlebender. Politisch aktiv in der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDA) und später in der damals verbotenen KPD, ließ er sich auch in der Bundesrepublik mehrfach verhaften – ohne je zu schweigen.

Als Betriebsratsvorsitzender setzte er sich für Arbeitnehmerrechte ein. In der Friedensbewegung kämpfte er gegen die atomare Aufrüstung, unterstützte den Protest von Sinti und Roma am ehemaligen KZ Dachau und trat entschieden gegen Neonazismus und Rassismus auf. Jahrzehnte lang war er eine der lautesten und glaubwürdigsten Stimmen des deutschen Antifaschismus.

Auszeichnungen und Würdigung

Am 12. Dezember 2004 erhielt Martin Löwenberg gemeinsam mit Esther Béjarano, Percy MacLean und Peter Gingold die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte in Berlin – eine der renommiertesten Auszeichnungen für zivilgesellschaftliches Engagement in Deutschland.

Die Filmemacher Petra Gerschner und Michael Backmund begleiteten ihn fast zwei Jahrzehnte lang und schufen das Filmporträt „Es kann legitim sein, was nicht legal ist" – ein Zeugnis seines unermüdlichen Lebenswerks.

Ein Leben als Verpflichtung

Martin Löwenberg starb am 2. April 2018 in München. Er hinterließ keine Bitterkeit, sondern Haltung. Sein Leben war der Beweis, dass Erinnerung kein Museum ist, sondern gelebte Gegenwart. Wer mehr über die Geschichte des Widerstands in Bayern erfahren möchte, findet weiterführende Informationen beim Haus der Bayerischen Geschichte.

Zahlen & Fakten

1925
Geburtsjahr in München
93
Lebensjahre
70+
Jahre antifaschistisches Engagement
100+
Zeitzeugengespräche in Schulen und Institutionen